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Ausstellung „Oben Ohne?“ in St. Marien

„Oben Ohne? Wie die Lübecker ihre sieben Türme retteten“ heißt eine Ausstellung zum Wiederaufbau der Lübecker Innenstadtkirchen nach dem Zweiten Weltkrieg. Anlass ist der 75. Jahrestag des Luftangriffs auf Lübeck in der Nacht zu Palmarum 1942. Die Ausstellung wurde verlängert und wird nun bis Sonntag, 30. Juli 2017, von 10 - 18 Uhr zu sehen sein. Neben dem Marientaler wird kein zusätzlicher Eintritt erhoben. An acht Stationen erwartet die Besucher vor allem große historische Fotos. Wer heute durch die Altstadt spaziert, kann sich nicht mehr vorstellen, wie Lübeck lange Jahre ausgesehen hat. Die Ausstellung zeigt viel unbekanntes Bildmaterial aus verschiedenen Archiven. Im Auftrag des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg haben Dr. Karen Meyer-Rebentisch und Dr. Jan Zimmermann „Oben Ohne?“ kuratiert. Markus Endreß hat die Ausstellung gestaltet. Die Kirchenbauhütte des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg hat die Trägergerüste für „Oben Ohne?“ gebaut und damit einen eindrucksvollen Rahmen geschaffen.

 

Bis zum 28. Juli 2017 können Interessierte ihr Gebot für eine Plane abgeben. Das geht ganz einfach: Jede Plane hat unten rechts in der Ecke eine Nummer. Das Mindestgebot liegt bei 50 Euro. Auf einem Tisch im Bereich der Ausstellung liegen Zettel, auf denen Interessierte die Nummer der Plane, ihr Gebot, den Namen, die Adresse und eine Telefonnummer notieren. Dann werfen sie den Zettel in eine Box. Wer das höchste Gebot für die jeweilige Plane abgegeben hat, wird benachrichtigt und kann die Plane möglichst am Montag, 31. Juli 2017 oder nach Absprache abholen. Dann wird die Ausstellung nämlich abgebaut.

 

Ausstellungsmacher
2017 03 10 Ausstellung Oben ohne AusstellungsmacherMarkus Endreß, Dr. Karen Meyer-Rebentisch und Dr. Jan Zimmermann haben die Ausstellung zum Wiederaufbau der Lübecker Altstadtkirchen gemeinsam konzipiert. Die Historikerin Dr. Karen Meyer-Rebentisch arbeitet als Ausstellungsmacherin zu zeithistorischen Themen, leitet die Gedenkstätte Lutherkirche Lübeck und ist Buchautorin und Journalistin.


Dr. Jan Zimmermann arbeitet als Historiker zu zeit- und fotogeschichtlichen Themen. Dazu betreibt er die auf historisches Bildmaterial spezialisierte Bildagentur Vintage Germany, aus deren Bestand auch die Ausstellung schöpft.


Markus Endreß ist Inhaber der Faszinovum Werbeagentur und erfahrener Grafikdesigner. Mit seiner Agentur berät er kleine und mittelständische Unternehmen sowie Institutionen beim Markenaufbau und unterstützt sie bei der Umsetzung von Marketingmaßnahmen.

 

Palmarum 1942
Einstürzende Kirchtürme, brennendes Gebälk, zerborstene Glocken: Lübeck liegt an Palmarum (Sonntag vor Ostern) 1942 in Trümmern. Eine neue Stufe der Bombardierung durch die Briten zerstörte in der Nacht auf den 29. März 1942 die einst stolze Hansestadt. Eine Woche vor Ostern, an Palmarum, waren Lübeck und die  jahrhundertealte Geschichte in Schutt und Asche gelegt.
Mehr als 300 Menschen starben, fast 800 wurden verletzt, mehr als 15000 Menschen wurden ausgebombt. 1500 Häuser wurden zerstört, die Hälfte der Innenstadt schwer in Mitleidenschaft gezogen. St. Marien, St. Petri und der Dom brannten. Besonders schlimm traf es die Marienkirche. Stundenlang wütete hier das Feuer. Die Glocken stürzten aus dem brennenden Südturm herab.

Der Schriftsteller Thomas Mann, Lübecker im Exil, sagte einige Tage nach Palmarum 1942 „Das geht mich an. Es ist meine Vaterstadt. Aber ich denke an Coventry und habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, dass alles bezahlt werden muss.“

Am 14. November 1940 hatte die gewaltige Wucht deutscher Bomben die Kathedrale von Coventry vernichtet. Nur die Außenmauern der eindrucksvollen Kirche mitten in England blieben stehen. Auch die Innenstadt Coventrys existierte am Morgen nach der Bombennacht im November 1940 nicht mehr: 550 Menschen kamen bei dem Angriff der Deutschen ums Leben. 4330 Häuser wurden vernichtet, unersetzliche Kulturgüter waren auf immer verloren.
Die Bombardierung Lübeck war die Antwort der Briten auf das deutsche Bombardement Coventrys 16 Monate zuvor und die nachfolgenden Angriffe auf London und andere britische Städte in den Jahren 1940/41: Ein Gegenschlag der deutschen Luftwaffe folgte einen Monat nach dem Angriff auf Lübeck. Auch Exeter, Barth, Norwich und York wurden durch deutsche Bomben zerstört.