Lübeck von der Falkenstraße aus - Copyright: Oliver Schmidt
Lübeck von der Falkenstraße aus

DIE SILHOUETTE VON LÜBECK
Damit die erde hafte am himmel, schlugen die menschen
kirchtürme in ihn
Sieben kupferne nägel, nicht aufzuwiegen
mit gold

(Reiner Kunze, auf eigene hoffnung. gedichte, Frankfurt am Main 1981, 44)


Im Portrait - die sieben türme

Geliebt, bewundert und bestaunt: die sieben Türme Lübecks

Sie prägen sie die Stadtsilhouette mehr als alles andere: die sieben Türme Lübecks. Von vielen Generationen wurden sie Backstein um Backstein erbaut. Heute werden sie geliebt, bewundert und bestaunt. Die fünf Innenstadtkirchen auf der Altstadtinsel sind Zeitzeugen gelebter Geschichte.

Der Dom ist die alte Bischofskirche und auch heute noch bischöfliche Predigtstätte. Viele Menschen versammeln sich sonntäglich zu festlich gestalteten Gottesdiensten mit Kirchenmusik und Abendmahl. St. Marien war und ist die Ratskirche. Mit ihrer einzigartigen Architektur gilt sie als Vorbild der Backsteingotik im Ostseeraum und ist für viele Touristen erste Anlaufstelle. St. Petri wurde einst als Kirche der Fischer erbaut und fungiert heute ohne eine eigene Gemeinde als Kultur- und Universitätskirche. St. Jakobi als alte Seefahrerkirche begrüßt heute auch Pilgerreisende aus aller Welt. In ihr ist die Pamir-Gedenkstätte beheimatet. Die Kirche ist zudem berühmt für ihre historischen Orgeln. St. Aegidien, im Zentrum des alten Handwerkerviertels gelegen, ist die kleinste der fünf Innenstadtkirchen und eng verbunden mit dem Aegidienviertel und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern. In ihr und St. Jakobi begann 1529 der „Singekrieg“, als mutige Lübecker ihre Stimmen erhoben und lutherische Lieder sangen. Sie kämpften für das Recht, lutherische Schriften lesen zu dürfen. Ihr Protest löste eine friedliche Revolution aus: Die Reformation hielt Einzug in die Hansestadt. Pfingsten 1531 verkündete der Stadtrat die „Der Kaiserlichen Stadt Lübeck Christliche Ordnung“ –  der evangelische Glauben durfte nun offen gelebt werden.

Der Dom

Erhaben steht er da: der Dom zu Lübeck. Betritt man die imposante Kirchenhalle, spürt man förmlich die jahrhundertealte Geschichte, die in der Luft zu schweben scheint. Genau hier begann das kirchliche Leben in Lübeck. 1160 beschloss Heinrich der Löwe den Bischofssitz von Oldenburg nach Lübeck zu verlegen und 1173 wurde der Grundstein des Doms gesetzt. Die Hansestadt besaß mit dem Bischofssitz eine Strahlkraft, die weit über die Grenzen der Stadt hinausreichte. Auch nachdem die Bischöfe ihren Sitz 1309 nach Eutin verlegt hatten, blieb der Dom als Bischofskirche neben den Pfarrkirchen ein wichtiger geistlicher Mittelpunkt der Stadt. Heute predigen Bischöfe der Nordkirche in regelmäßigen Abständen hier. Die beiden Türme des Doms fielen wie der Turm von St. Petri und die Doppeltürme von St. Marien den britischen Bombern in der Palmarumnacht 1942 zum Opfer – sie brannten am nächsten Tag und stürzten ein.

Der Dom - Ansicht vom Mühlenteich - Copyright: Ingo Socha

St. Aegidien

St. Aegidien war einst eine „Filiale“ des Lübecker Doms – doch sie wurde recht schnell „selbstständig“. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstand die heutige dreischiffige Kirche, deren Chor Mitte des 15. Jahrhunderts gebaut wurde. Das Viertel rund um die St.-Aegidien-Kirche ist der Bezirk der Handwerker und Ackerbürger – sie verhalfen der Hansestadt im Mittelalter maßgeblich zum Aufstieg als Königin der Hanse. Heute verblüfft die kleinste der Innenstadtkirchen mit ihrem üppigen und teils verspielten Inventar, sodass sie auch sehr gerne für Trauungen genutzt wird. In ihr finden zudem Lesungen und Vorträge zu Kunst, Literatur und Theologie auf hohem Niveau statt.

St.-Aegidien-Kirche-Kirchturm

St. Jakobi

St. Jakobi – die Kirche der Seefahrer ist heute auch geschätzt für ihre Orgelmusik und als Pilgerstätte. Um 1300 wurde sie anstelle der 1276 durch einen Stadtbrand zerstörten Vorgängerkirche errichtet und 1334 geweiht. 1658 erhielt die Kirche ihren charakteristischen spitzen Turmhelm mit den vier Kugeln am Helmansatz. Die St.-Jakobi-Kirche liegt am Koberg im ehemaligen Quartier der Schiffer. Die Turmuhr an allen vier Seiten des Turms besitzt von jeher nur einen Zeiger. In der Kirche befindet sich die Pamir-Gedenkstätte. Das einzige, erhaltene Wrack des Rettungsbootes der 1957 gesunkenen Viermastbark Passat erinnert das Unglück, bei dem 80 von 86 Besatzungsmitgliedern ihr Leben verloren. St. Jakobi ist die nationale Gedenkstätte für die zivile Seeschifffahrt.

St.-Jakobi-Kirche Turm

St. Marien

Die St.-Marien-Kirche ist von jeher die Ratskirche der Stadt – aufgrund ihrer Nähe zum Rathaus. In ihr befindet sich auch die Bürgermeisterkapelle. Im Jahr 1251 wurde mit dem Bau begonnen (nachdem die Vorgängerkirche einem Brand zum Opfer fiel) und es entstand ein Monument der Backsteingotik. Touristen und Einheimische lieben diese Kirche, da sie so weit in die Höhe ragt, dass einem im Inneren fast schwindelig werden kann und die Frage auftaucht: Wie haben die das damals nur gemacht? Als Fotomotiv begehrt ist die Bronzeskulptur „Der sitzende Teufel“ vor der Kirche. Eine Sage erzählt, dass er einst von den Bauleuten angelogen wurde und er in dem Glauben, hier entstehe ein Wirtshaus, beim Bau mithalf. Doch als ihm dämmerte, dass es ein Gotteshaus wird, wollte er mit einem riesigen Stein die Kirchen zerstören. Die Lübecker flehten ihn an, sie zu verschonen. Sie versprachen ihm, ein neues Wirtshaus zu bauen: den Ratskeller. Und so warf der Teufel den Stein vor die Kirche, auf dem er heute noch sitzt und wacht… In der Palmarumnacht 1942 trafen Bomben auch diese beiden Türme, deren Helme – wie auch der von St. Petri – einstürzten. Ebenso fielen Gewölbeteile und Glocken in die Tiefe. Heute erinnern herabgestürzte Glocken als Mahnmal an den Zweiten Weltkrieg.

St.-Marien-Kirche Lübeck aus der Vogelperspektive - Copyright: Ev.-Luth. Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg

St. Petri

Die Anfänge der St.-Petri-Kirche reichen bis in das 13. Jahrhundert zurück. St. Petri wurde mehrmals um- und ausgebaut, so dass zwischen 1450 und 1519 die jetzige fünfschiffige Kirche in ihrer einmaligen Form entstand. In der Palmarumnacht 1942 bombardierten englische Flieger Lübecks Altstadt und das schwere Kupferdach des Turmhelms stürzte auf die Gewölbe (die glücklicherweise standhielten). 1961 wurde mit der Wiederherstellung begonnen und 1987 konnte die Restauration abgeschlossen werden. Heute fungiert St. Petri als Kultur- und Wissenschaftskirche. Sie hat keine eigene Gemeinde, dafür finden viele besondere Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Reihen wie die „Petrivisionen“ statt, die Kunstinteressierte aus Nah und Fern anziehen.

Kirchenschiff St. Petri Lübeck - Copyright: Ev.-Luth. Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg