V. li.: Schirmherr Jan Lindenau, Pröspstin Petra Kallies, Bauausschussvorsitzender Carlos Blohm, Projektleiterin Cornelia Schäfer, Bauhistoriker Holger Reimers, Jürgen Rösing von der Bauabteilung des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, Architekt Christoph DIebold, Dom-Pastor Martin Klatt und Dom-Pastorin Margrit Wegner informierten über die Ergebnisse der Voruntersuchungen zur Sanierung des Dom zu Lübeck.

V. li.: Schirmherr Jan Lindenau, Pröspstin Petra Kallies, Bauausschussvorsitzender Carlos Blohm, Projektleiterin Cornelia Schäfer, Bauhistoriker Holger Reimers, Jürgen Rösing von der Bauabteilung des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, Architekt Christoph DIebold, Dom-Pastor Martin Klatt und Dom-Pastorin Margrit Wegner informierten über die Ergebnisse der Voruntersuchungen zur Sanierung des Dom zu Lübeck.

Acht Jahre und 23 Millionen Euro: Aufwändige Sanierung der Dom-Zwillingstürme 

Lange hatte die Dom-Kirchengemeinde auf dieses Papier gewartet – jetzt wurde der Voruntersuchungsbericht zur Sanierung der Domtürme vorgestellt. Wichtigster Inhalt: Die Arbeiten werden mindesten acht Jahre dauern und rund 23 Millionen Euro kosten.

Damit ist diese Sanierung die teuerste seit dem Beginn des Projekts „Sieben Türme will ich sehen“ im Jahr 2011. Der Turm von St. Petri kostete 2,5 Millionen Euro, die Sanierung der St. Marien-Türme 1,5 Millionen Euro. Der Domtürme-Sanierung sehen die Beteiligten mit Mut und Geduld entgegen – denn nicht zu sanieren ist keine Option. 

Zahn der Zeit nagt

Pröpstin Petra Kallies erinnert sich: „Als Jugendliche habe ich in der Domgemeinde den Abschluss der Innenraum-Sanierung miterlebt. Anfang der 80er Jahre waren die allerletzten Kriegsschäden beseitigt. Wie jede andere Immobilie braucht auch eine Kirche regelmäßige Renovierung. Der Zahn der Zeit nagt an den gewaltigen Doppeltürmen. Eine große Aufgabe liegt vor uns, aber ich bin hoffnungsfroh, dass es gelingen wird, wenn viele Menschen uns dabei unterstützen.“

Vertrauen und Identifikation

Dass allen Beteiligten eine transparente und vollständige Information der Öffentlichkeit über Fakten, Entwicklungen und Planungen wichtig sei, ergänzt Dr. Cornelia Schäfer, Leiterin des Sieben-Türme-Projekts. „Das Vertrauen und die Identifikation der Lübecker Bürger:innen mit „ihren“ Kirchen sind das Grundkapital, welches Menschen, Institutionen und Unternehmen dazu veranlasst, dieses Mammutprojekt aktiv durch persönliches Engagement oder Spenden zu unterstützen. Eine Ausstellung im Dom wird die Sanierungsschritte begleiten und Besucher:innen zugleich die 
Gelegenheit geben, die mehr als 800-jährige Geschichte der Lübecker 
Innenstadtkirchen neu oder wieder zu entdecken.“

Die Voruntersuchungen

Bevor eine Sanierung beginnen kann, bedarf es gründlicher Voruntersuchungen: Von 2017 bis 2020 wurden die Dom-Türme inklusive Mauerwerk in der Bauphase 0 auf Herz und Nieren geprüft. Zum Einsatz kamen hier die Fotogrammetrie und eine Drohne, die Ergebnisse wurden am Computer ausgewertet. Auch ein Laserscanner, Tachymeter, ein 3D-Drucker für die Verformungsanalyse, Kernbohrungen und eine rastermikroskopische Analyse lieferten wichtige Daten.

 Sorgfalt und Herzblut

„Die Voruntersuchungen waren akribische Arbeit. Allen Beteiligten daran danke ich für nüchterne Sorgfalt und viel Herzblut, die sie in diese Arbeit investiert haben. Es hat sich gezeigt: Der Erhalt der Türme ist von Anfang an eine immer neue Aufgabe gewesen. Vorige Generationen haben sich dieser Aufgabe gestellt, weil die beiden Domtürme einfach zum Stadtbild gehören und weil der Fingerzeig zum Himmel zu jeder Zeit wichtig war. Und deshalb werden wir das nun tun – mit Respekt vor der großen Aufgabe und voller Zuversicht“, erläutert Dom-Pastor Martin Klatt.

Abtragung des Mauerwerks fortschreitender Prozess

Bekannt war, dass gravierende Schäden an allen Seiten der beiden Türme und der Giebelseite des Mittelschiffes einschließlich dessen Gewölbe vorliegen. Gesteinsstücke des Ziegelmauerwerkes lösten sich und große, teils tiefgängige Risse gruben sich über mehrere Stockwerke der Türme. „Der Verfall des Mauerwerks ist ein fortschreitender Prozess – durch die Abtragung von Material durch natürliche Einflüsse der Ziegelschale geht die Witterungsbeständigkeit immer weiter verloren. Ursachen sind eindringende Feuchtigkeit, Frostschäden und Ausschwemmen der Fugen- und Mauermörtel. Wird nichts getan, würde durch weitere Abtragung der Verlust der Standfestigkeit der Türme drohen. Bereits jetzt ist der Südturm an der Nordwestecke gefährdet“, informiert Jürgen Rösing, stellvertretender Leiter der Bauabteilung des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg. In den vergangenen Jahrhunderten seien Reparaturmaßnahmen erfolgt, die eine Analyse erforderten. „Wir wollen die Schäden von ihrem Ursprung her verstehen, um Methoden zu entwickeln, die eine nachhaltige Schadenssanierung ermöglichen“, ergänzt Architekt Christoph Diebold, der das Sanierungsprojekt koordiniert. 

Die Erkenntnisse 

„Durch die weitreichenden Schäden in allen Mauerwerksbereichen reichen nicht nur punktuelle Eingriffe aus, es müssen fast alle Außenflächen und zum Teil auch Innenflächen saniert werden“, resümiert Carlos Blohm, Bauausschuss-Vorsitzender der Dom-Gemeinde. Dafür müssten für einzelne Bereiche differenzierte Sanierungsbausteine entwickelt werden. „Eine Sanierungsmethode für alle Maßnahmen wäre nicht zielführend – dies erzielte bei früheren Sanierungen nicht die gewünschten Ergebnisse“. Die Abtragung von Gesteinsteilen begann bereits nach dem Bau des Doms (1173 bis 1247), die verwendeten Ziegel hielten der Witterung nicht stand. Danach ersetzte man die defekte Schale, ohne diese richtig mit dem Kernmauerwerk zu verankern. „So steht die Fassade noch heute wie eine bunte „Tapete“ vor den beiden Schäften und haftet durch Reibung an der Hintermauerung. Daher rühren die großen Risse“, führt Blohm weiter aus. 

Die Sanierungsmaßnahmen

Derzeit bereiten sich die Fachleute mit folgenden Fragen auf die Sanierung vor: Wie können die Schalenmauerwerke an das Kernmauerwerk dauerhaft angeschlossen werden? Wie geht man mit temperaturbedingten Längenänderungen des Mauerwerks um? Welche Bereiche sind komplett abgängig aufgrund des vorgefundenen Materials? Welche Bereiche können erhalten werden? Welche Fugen- und Mauermörtel werden verwendet? Die Antworten sollen innerhalb des Probebauabschnittes, für den 474.000 Euro einkalkuliert sind, zur Festlegung der einzelnen Sanierungsmethoden gefunden und fließen in das Sanierungskonzept ein. 

Untersuchung der Neigung

Die Dom-Türme werden zudem während und nach der Sanierung auf ihre Neigung mit einem Festpunktmonitoring untersucht, um Erkenntnisse zur Dynamik der Türme und der Nachhaltigkeit der Gründung des Doms zu erhalten. Denn dieser steht auf einem wackligen Fundament, wie die Experten feststellten. Die Sanierung der Türme kann davon unabhängig durchgeführt werden. Eine Sanierung des Fundaments folgt eventuell zu einem späteren Zeitpunkt. 

Sanierungsbeginn im Jahr 2022

Der erste Bauabschnitt ist für 2022 geplant, Voraussetzung ist eine gesicherte Finanzierung – die Kosten werden mit 2.928.000 Euro beziffert. Es folgen weitere sechs Bauabschnitte, die zwischen 2.745.000 und 3.907.000 Euro kosten werden – bis zur vorausichtlichen Fertigstellung des Gesamtprojektes im Jahr 2028. Um dies finanzieren zu können, werden kirchliche Eigenmittel, öffentliche Zuschüsse, Fördermittel von Stiftungen sowie Spenden von Privatpersonen und Unternehmen erforderlich sein.

Jede Gabe hilft

„Die Gesamtsumme ist im ersten Moment natürlich unvorstellbar groß. Dennoch glaube ich mit ganz viel Zuversicht, dass wir diese Aufgabe packen werden. Wir stehen nicht alleine da, das ist das große Glück. Es gibt so viele Menschen, die uns immer wieder zeigen, wie sehr ihnen der Dom am Herzen liegt. Manchmal sind es nur vermeintlich kleine Spenden, die sie uns zukommen lassen. Aber wir wissen, wieviel Herzblut und Liebe dahinterstehen. Das rührt uns sehr. Und jede kleine Geste und Gabe hilft zum großen Ganzen“, sagt Dom-Pastorin Margrit Wegner.

Lübecker:innen gehen Herausforderungen mutig an

Auch Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau macht Mut: „Die Finanzierung der Sanierung der Dom-Türme ist eine große Herausforderung. Wir Lübecker:innen sind dafür bekannt, Herausforderungen mutig anzugehen. Wir werden Jahre brauchen, aber werden nicht aufgeben, bis alle sieben Türme für die nächsten Generationen gesichert sind. Als Schirmherr des Projektes „Sieben Türme will ich sehen“ ermutige ich die Lübecker:innen mitzuhelfen, damit wir alle gemeinsam die identitätsstiftende Silhouette unserer Hansestadt bewahren. Jeder spendet, was er oder sie kann. Zusammen können wir viel erreichen. Davon bin ich überzeugt.“

Das Sieben Türme-Projekt

„Sieben Türme will ich sehen“ ist eine 2011 ins Leben gerufene Spendenaktion des Ev.-Luth. Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, in Kooperation mit dem Kirchengemeindeverband Innenstadt Lübeck. Durch das Einwerben von Spenden sollen die historischen Innenstadtkirchen - der Dom, St. Marien, St. Petri, St. Aegidien und St. Jakobi, ohne die Lübeck nicht seit 1987 den Status als UNESCO Welterbe inne hätte, und die unter dem Einfluss von Wind, Regen und Frost leiden, erhalten werden.

Kontonummer Sieben Türme-Projekt:

Ev.-Luth. Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg
IBAN: DE98230501010162966600
Bank: Sparkasse zu Lübeck

IBAN: DE41230901420005441188
Bank: Volksbank Lübeck

Verwendungszweck: Spende Sieben Türme
Bitte Name und Anschrift für die Spendenbescheinigung nicht vergessen!

Für die  Sanierung der Dom-Türme wurde ein zusätzliches Konto des Förderkreises der Domgemeinde eingerichtet:

Konto:  bei der Sparkasse zu Lübeck
IBAN:  DE 13 2305 0101 0160 4143 14
BIC: NOLADE21SPL

Bei Überweisungen bitte den Verwendungszweck: „Sanierung der Dom-Türme“ angeben.

Der Dom zu Lübeck

Nach der Verlegung des Bischofssitzes von Oldenburg in Holstein ins Bistum Lübeck 1160 unter Bischof Gerold erfolgte 1173 die Grundsteinlegung durch Heinrich den Löwen für die Kathedrale. Für Kirche und Kloster wurde eine exponierte Lage am südlichen Rand der Altstadtinsel zwischen Obertrave und Mühlenteich gewählt. Die Kirche wurde als Bischofskirche Johannes dem Täufer und als Gemeindekirche dem Heiligen Nikolaus geweiht und vermutlich 1247 fertiggestellt. Bereits eine Generation später wurde sie in der Zeit von 1266 bis 1341 - dem Zeitgeist und dem gewachsenen Selbstverständnis entsprechend - durch Verlängerung des Bauwerks durch den Ostchor auf das Doppelte bisheriger Länge umgebaut. Die Seitenschiffe wurden auf Höhe des Mittelschiffes zu einer gotischen Hallenkirche erhöht. 

Männer bohren im Mauerwerk des Dom zu Lübeck.

Das Team von Tim Knodel (Kern- Bohr-Technik GmbH) nimmt die Kernbohrungen vor. Mittels einer diamantbestückten 100 Millimeter Bohrkrone wurden bis in 2,50 Meter Tiefe Bohrkerne entnommen. Diese Bohrkerne konnten nicht in einem Stück entnommen werden. Sie zerfielen in etwa 20 Zentimeter lange Teile, die in wasserfeste Beutel verpackt und sorgfältig nach Bohrposition, Tiefenlage und Ausrichtung gekennzeichnet wurden.

Lagerung der Bohrkerne zur detaillierten Untersuchung und Bestimmung der Materialprobenbereiche im Ostchor des Doms.

Lagerung der Bohrkerne zur detaillierten Untersuchung und Bestimmung der Materialprobenbereiche im Ostchor des Doms.

Schürfung an der Nordost-Ecke des Nordturms: Die Fundamente bestehen aus zwei bis drei Meter tiefen Gruben, die mit Feldsteinen und teilweise mit Gipsmörtel verfüllt wurden.

Schürfung an der Nordost-Ecke des Nordturms: Die Fundamente bestehen aus zwei bis drei Meter tiefen Gruben, die mit Feldsteinen und teilweise mit Gipsmörtel verfüllt wurden.

Die Turmspitze mit Wetterhahn.

Mittels der Drohne wurde auch die Turmspitze inklusive Wetterhahn untersucht.