Statiker Bernd Guericke, Architektin Liane Kreuzer, Pastor Bernd Schwarze und Architekt Christoph Diebold betrachten besorgt das Gewölbe über dem Petri-Café.

Statiker Bernd Guericke, Architektin Liane Kreuzer, Pastor Bernd Schwarze und Architekt Christoph Diebold betrachten besorgt das Gewölbe über dem Petri-Café.

St. Petri: Gewölbesanierung beginnt noch in diesem Sommer

Bernd Schwarze, Pastor an St. Petri, ist besorgt – und erleichtert. Mit bloßem Auge sind Risse im Gewölbe über dem Petri-Café erkennbar, bereits Ende Juli wird das Café unter dem Turm eingerüstet. Der Grund: Das Gewölbe hängt durch.

Noch vor der geplanten großen Turmsanierung 2014 muss nun vorab in der Kirche gebaut werden. Aber: Der Café-Betrieb wird nur 14 Tage aussetzen und läuft dann weiter, der Aussichtsturm ist von dieser Baumaßnahme nicht betroffen.

Wochenlang wurde hinter dem Gerüst von St. Petri gemessen, analysiert und gezählt, nun sind die Voruntersuchungen so weit fortgeschritten, dass Architektin Liane Kreuzer, Leiterin der Kirchenbauabteilung des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, zusammen mit Ihrem Team erste Zwischenergebnisse vorstellen konnte. „Das fotogrammetrische und tachimetrische Aufmaß des Westbereiches ist abgeschlossen. Die Fachgutachter erfassen auf dieser Grundlage nunmehr den konkreten Bauzustand.“ Ein Ergebnis, das sofortiges Handeln erfordert: Das Gewölbe über dem Café ist abgesackt und weist Risse auf.

Statiker Bernd Guericke nennt mehrere Ursachen für diese Gewölbeabsackung. „In der Nordwestecke ist der Baugrund problematisch“, sagt er. „Wir vermuten, dass hier Aufschüttungen aus Geländeregulierungen zwischen Petrihügel und Holstenstraße im Untergrund noch arbeiten.“ Zudem weist der darüberliegende Dachstuhl aus Holz, der als Folge der Kriegsschäden 1950 erneuert worden war, ebenfalls leichte Mängel auf. „Der Winddruck auf die vertikale Dachfläche verursacht hier auch leichte Verschiebungen in der Horizontalen“, so Guericke. „Es ist ein alter Patient.“ Das Gewölbe sei aber nicht akut einsturzgefährdet – so lange es keine großen Erschütterungen gibt.

Aber die genau wird es im kommenden Jahr geben, wenn die große Turmsanierung beginnt. „Wir haben uns daher entschieden, eine vorweggenommene Sicherung am Petri-Gewölbe jetzt schon durchzuführen, um im kommenden Jahr keine kostenintensiven parallelen Baustellen zu haben“, so Kreuzer. Die Kosten belaufen sich auf etwa 150.000 Euro, die aus dem Spendentopf „Sieben Türme sollst Du sehen“ finanziert werden können.

Aufgabe von Architekt Christoph Diebold ist es, die Ergebnisse der Fachplaner und die anstehenden Baumaßnahmen zu koordinieren. Im Gewölbe wird nun ab dem 22. Juli ein Innengerüst errichtet, das Petri-Café bleibt dann bis zum 5. August geschlossen. Anschließend übernimmt ein Stützgerüst die Last der Gewölbe, dann erst kann die Gewölbesanierung beginnen. Ein neues Zugankersystem soll für Stabilität sorgen, gleichzeitig wird das Dach ertüchtigt. „Ende Oktober werden wir, wenn alles gut läuft, mit dieser Maßnahme durch sein“, glaubt Architekt Diebold.

Das hofft auch Pastor Bernd Schwarze. „Wenn der Weihnachtsmarkt kommt, brauchen wir hier jeden Zentimeter in der Kirche.“ Bis dahin heißt es halt: Kreativ mit dem Gerüst umgehen. „Das Café ist unsere Kommunikationszentrale, und das wird es während der Bauzeit auch so bleiben.“

Hintergrund Zwischenbericht Voruntersuchungen Turmsanierung St. Petri Lübeck:

Es liegen Zwischenergebnisse zur bauhistorischen Erkenntnissen sowie Mörtel- und Ziegeleigenschaften vor. Diese sind für die Planung der Sanierung dringend notwendig. So finden wir an Petri, ausgenommen die jüngsten Sanierungen, hauptsächlich gipshaltige und  gipskalkhaltige Mörtel aus der Zeit bis ins 19. Jahrhundert. Es handelt sich hier hauptsächlich um Hochbrandgips aus den umliegenden Lagerstätten. Im Laufe der Fortführung dieser Gutachten wird es im  Rahmen der historischen Befunderhebung eine abschließende Kartierung des Bestandes  geben, und es werden weitere Untersuchungen an den Proben Aufschluss über die Bindemittelqualität des vorhandenen Materials geben, verbunden mit einer Empfehlung welches Material wir wo bei der Sanierung nächstes Jahr einsetzen sollten.

Die Schäden am Mauerwerk haben sich durch die Untersuchungen bestätigt. Teilweise schlecht haftender Fugenmörtel lässt  Wasser  ins Mauerwerk dringen, und die Oberflächen werden dadurch stark beschädigt. An anderen Stellen ist der Fugenmörtel so hart, dass hier das Ziegelmaterial zurückwittert bzw. abschält.  Ein kleiner Probeabschnitt wird noch Aufschluss über den technischen und zeitlichen Aufwand der Sanierung geben.

Das Aufmaß hat weiterhin ergeben, dass wir die Risse im Bereich der Nordkapelle über dem Petricafé dringen näher betrachten mussten. Durch die jetzt zur Verfügung stehenden Messbilder haben sich die komplexen Rissbilder und Deformierungen am Nordgewölbe analysieren lassen. So wird seitens des Statikers eine dauerhafte Standsicherheit des Gewölbes in Frage gestellt, d.h. Risse und Deformierungen an der Gewölbeschale müssen dringend saniert werden. Das Gewölbe hält laut Gutachter zukünftigen Erschütterungen nicht stand.

Gleichzeitig müssen die Ursachen für diesen Mangel behoben werden. Die Ursachen werden noch ermittelt. Vermutet wird, dass fehlende Zuganker im Dachbereich und der  im Mittelalter aufgeschüttete Baugrund an der Nordwestecke dies verursachen. Daher erfolgt parallel eine Ertüchtigung des Dachstuhles und nach weiteren noch ausstehenden Bodenuntersuchungen – gegebenenfalls einen Baugrundverfestigung in dem Bereich.

Diese Maßnahme wird ab 15. Juli beginnen. Dazu wird das Petricafé zwei – drei Wochen schließen um die Nordkapelle einrüsten zu können. Danach werden Sicherungsanker über dem Gewölbe eingezogen und der deformierte Bereich saniert.  Die Arbeiten werden durch die Kirchenbauhütte ausgeführt. Dies erfolgt voraussichtlich ab Mitte September lt. Bauzeitenplan.

Diese Maßnahmen müssen der Turmsanierung vorgezogen werden, um die Standsicherheit der Kapelle während der Turmsanierung zu gewährleisten. Daher muss es ein eigener Bauabschnitt  sein, der aus  Eigenmittel und Spenden finanziert werden soll. Die geschätzten Kosten liegen bei ca. 150.000 €.

Liane Kreuzer, Leiterin der Kirchenbauabteilung des Kirchenkreises Lübeck, 08.07.2013